BP hat Raffinerieverkauf in trockenen Tüchern
19.03.2026 09:43
Der Chef der Gelsenkirchener BP-Raffinerien, Arno Appel, hat am Mittwoch Bezirksbürgermeister Joachim Gill in einem Telefongespräch darüber informiert, dass der Verkaufsvertrag am 18. März 2026 unterschrieben worden sei. Jetzt müsse noch die EU zustimmen, damit die Übernahme am 01. Juli 2026 Wirklichkeit werde. Die Belegschaft ist für heute um 12 Uhr zu einer Versammlung eingeladen.
Die Verkaufsvereinbarung umfasst die Ruhr Oel GmbH – BP Gelsenkirchen (ROG) inkl. der Raffinerie Gelsenkirchen und das Tanklager Bottrop, die ROG-Tochtergesellschaft DHC Solvent Chemie GmbH, Anteile an Logistik-Joint-Ventures sowie das Petrochemie-Geschäft und die Vertriebsaktivitäten der markenunabhängigen B2B-Kraftstoffe, die in der Raffinerie Gelsenkirchen produziert werden. Um die Versorgung in der Region weiterhin zu gewährleisten, hat bp Abnahmevereinbarungen für Kraftstoffe im Straßen- und Luftverkehr sowie Coke geschlossen.
Die Belegschaft der ROG sowie die Mitarbeitenden in Logistik und Vertrieb werden zum Abschluss des Verkaufs zum neuen Eigentümer wechseln. Der integrierte Raffineriekomplex beschäftigt heute rund 1.800 Mitarbeitende.
Zum Börsenstart um 09.00 Uhr setzte bp eine Pressemitteilung ab, die wir hier veröffentlichen:
„bp hat eine Vereinbarung zum Verkauf der Raffinerie Gelsenkirchen sowie der damit verbundenen Geschäftsbereiche an die Klesch-Gruppe, einen unabhängigen europäischen Raffineriebetreiber, geschlossen. Damit erreicht bp einen weiteren bedeutenden Meilenstein und beschleunigt die Umsetzung seiner Unternehmensstrategie. Das Ziel von bp ist es, das eigene Portfolio zu vereinfachen, die Bilanz zu stärken und das Downstream-Portfolio auf führende, integrierte Geschäfte zu fokussieren.
Mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von rund 12 Mio. Tonnen Rohöl stellt die Raffinerie Gelsenkirchen primär Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr her. Sie liefert zudem wichtige Rohstoffe für die petrochemische Industrie in Deutschland und ganz Europa. In mehr als 95 Jahren hat sich der Standort zu einer der größten integrierten Raffinerien Deutschlands entwickelt. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit in der Region Rhein-Ruhr und darüber hinaus. Die 2024 eingeleitete Transformation mit dem Ziel, die Komplexität der Raffinerie zu reduzieren, hat den Standort und seine zentrale Rolle in der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen weiter gestärkt.
Oberbürgermeisterin Andrea Henze und der für die Wirtschaftsförderung zuständige Stadtrat Simon Nowack begrüßen, dass nun Klarheit über die Zukunft des Unternehmens besteht, und erwarten vom neuen Eigentümer eine verlässliche Perspektive für den Standort und seine Beschäftigten.
„Die Raffineriestandorte in Scholven und Horst sind seit Jahrzehnten ein zentraler Pfeiler der industriellen Wertschöpfung in unserer Stadt und für die gesamte Region. Der Eigentümerwechsel schafft nun Klarheit. Entscheidend ist, dass damit eine langfristige Perspektive für den Standort und die Beschäftigten verbunden ist. Die Sicherung der Industriearbeitsplätze und eine verlässliche Zukunft für die Raffinerie haben für uns höchste Priorität“, erklärt Oberbürgermeisterin Andrea Henze.
Stadtrat Simon Nowack betont die strategische Bedeutung des Standorts: „Die Raffinerie ist ein wichtiger Bestandteil der Energie- und Chemieinfrastruktur im Ruhrgebiet. Wir erwarten, dass der neue Eigentümer die bereits begonnenen Modernisierungs- und Investitionsprozesse konsequent fortsetzt, sodass der Standort zukunftsfähig weiterentwickelt und die industrielle Transformation aktiv vorangebracht werden. Dabei ist entscheidend, dass die Arbeitsplätze, die Tarifbindung und die industrielle Wertschöpfung am Standort dauerhaft gesichert werden.“
Die Stadt Gelsenkirchen wird den weiteren Prozess eng begleiten und steht weiterhin im Austausch mit der Unternehmensleitung, den Arbeitnehmervertretungen sowie dem Land Nordrhein-Westfalen. Ziel bleibt eine langfristig stabile und zukunftsfähige Perspektive für den Raffineriestandort und seine 1.800 Beschäftigten.
Carol Howle, Interim-CEO von bp, erklärt: „Mit dieser Transaktion stärken wir unsere Bilanz, erhöhen unser strukturelles Kostensenkungsziel und steigern die Resilienz unseres fokussierten Raffinerieportfolios. Zugleich werden wir weiterhin entschlossen Maßnahmen ergreifen, um die Komplexität unseres Portfolios zu reduzieren – mit einem klaren Fokus darauf, Cashflows und Renditen zu steigern sowie Wert für unsere Aktionärinnen und Aktionäre zu schaffen.“
Patrick Wendeler, Vorstandsvorsitzender der BP Europa SE, fügt hinzu: „Gelsenkirchen leistet seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Herzen des Ruhrgebiets. Wir bei bp sind stolz darauf, Teil dieser Entwicklung zu sein. Unser aufrichtiger Dank gilt unserem Team für sein Engagement und den jahrzehntelangen Beitrag zu unserem Geschäft. Wir sind überzeugt, dass die Klesch-Gruppe mit ihrer umfassenden Erfahrung im Raffineriegeschäft der richtige Eigentümer ist, um das nächste Kapitel für den Standort Gelsenkirchen aufzuschlagen.“
